Die VRS DirectForce Pro zählt zu den Wheelbases, die nicht mit Display, RGB-Beleuchtung oder einem riesigen Ökosystem um Aufmerksamkeit kämpfen. Ihr Argument liegt am Lenkrad: viel Drehmoment, eine sehr direkte Rückmeldung und ein klarer Fokus auf PC-SimRacing. In unserem VRS DirectForce Pro Test schauen wir deshalb nicht nur auf die nackten 20 Nm, sondern auf die Frage, die beim Kauf wirklich zählt: Passt diese Base zu deinem Fahrstil, deinem Rig und deinem restlichen Setup?
VRS DirectForce Pro Test: Das Fahrgefühl im Mittelpunkt
Die DirectForce Pro ist eine Direct-Drive-Wheelbase für Fahrer, die Force Feedback nicht nur als Effekt, sondern als Information verstehen. Reifenhaftung, Lastwechsel, Curbs und das beginnende Untersteuern kommen sehr unmittelbar am Lenkrad an. Gerade in Simulationen wie iRacing, Assetto Corsa Competizione, rFactor 2 oder Le Mans Ultimate kann die Base feinste Veränderungen der Vorderachse nachvollziehbar darstellen.
Das bedeutet nicht, dass sie automatisch brutal eingestellt werden muss. Im Gegenteil: Ihre Stärke zeigt sich besonders dann, wenn das Signal sauber abgestimmt ist. Eine gute VRS-Konfiguration vermittelt Gewicht und Grip, ohne bei jeder Bodenwelle hektisch zu schlagen. Wer von einer Zahnrad-, Riemen- oder kleineren Direct-Drive-Base umsteigt, merkt meist zuerst die Ruhe um die Mittellage und die Reserven in schnellen Kurven. Das Lenkrad wirkt nicht künstlich schwer, sondern baut Widerstand nachvollziehbar auf.
Die 20 Nm Spitzenmoment liefern dafür genug Headroom. Im Alltag fahren die wenigsten SimRacer dauerhaft mit voller Leistung. Die Reserve sorgt vielmehr dafür, dass auch bei einer moderaten Einstellung kräftige Lenkmomente nicht abgeschnitten werden und Details daneben erhalten bleiben. Für GT3, LMP, Formel-Fahrzeuge und anspruchsvolle Tourenwagen ist das ein spürbarer Vorteil.
Kraft ist nicht gleich Qualität
Eine hohe Newtonmeter-Zahl allein macht noch kein gutes Fahrerlebnis. Zu viel Gain im Spiel erzeugt Clipping, zu aggressive Filter können Details verschmieren und ein zu lockeres Rig nimmt der besten Base ihre Präzision. Die DirectForce Pro belohnt Fahrer, die sich ein wenig Zeit für die Abstimmung nehmen.
Besonders überzeugend ist ihr Charakter für alle, die ein kontrolliertes, unverfälschtes Signal bevorzugen. Sie fühlt sich nicht nach Effekthascherei an. Wer bewusst sehr stark geglättete oder stark gefilterte Force-Feedback-Profile mag, kann sie entsprechend entschärfen. Die technische Grundlage bleibt aber klar: Diese Wheelbase möchte vermitteln, was an der Vorderachse passiert.
Verarbeitung, Konzept und Alltag
VRS verfolgt bei der DirectForce Pro einen sachlichen Ansatz. Das Gehäuse ist funktional, die Base wirkt hochwertig und auf Langlebigkeit ausgelegt, aber nicht wie ein Lifestyle-Produkt inszeniert. Das passt zu einer Komponente, die meist fest in einem Aluminiumprofil-Rig montiert wird und dort jahrelang zuverlässig arbeiten soll.
Im Alltag hat dieses Konzept zwei Seiten. Positiv ist die Konzentration auf das Wesentliche: Motor, Elektronik, stabile Montage und Software zur Konfiguration. Wer gern mit verschiedenen Lenkrädern, Button Plates und Quick Releases arbeitet, kann sein Cockpit sehr frei aufbauen. Auf der anderen Seite verlangt das System mehr Eigenplanung als ein geschlossenes Plug-and-Play-Ökosystem.
Die VRS DirectForce Pro ist eine PC-Wheelbase. Konsolen-Kompatibilität ist daher kein Kaufargument. Auch ein Lenkrad mit Tasten, Schaltwippen und Display gehört nicht automatisch zum Lieferumfang der Base. Für viele ambitionierte PC-Fahrer ist diese Offenheit ein Vorteil. Wer jedoch eine möglichst einfache Komplettlösung mit einem Hersteller für Base, Wheel und Zubehör sucht, sollte den zusätzlichen Planungsaufwand realistisch einordnen.
Lenkrad und Quick Release richtig auswählen
Bei der Lenkradwahl geht es nicht nur um Optik. Ein schweres Formula-Wheel, ein rundes GT-Lenkrad oder ein großes Rallye-Rim verändern Trägheit und gefühlte Kraft deutlich. Die DirectForce Pro hat genug Reserven für hochwertige und auch etwas schwerere Wheels. Dennoch sollte der Quick Release spielfrei und die gesamte Verbindung sauber verschraubt sein. Schon geringes Spiel zwischen Motorwelle, Adapter und Lenkrad kann sich als Klacken oder unpräzises Gefühl bemerkbar machen.
Praktisch ist ein USB-Lenkrad mit eigener Elektronik, wenn du unabhängig von der Base ein bestimmtes Button Layout, Kupplungspaddles oder ein Display nutzen möchtest. Das bedeutet allerdings ein weiteres Kabel im Rig. Wer häufig die Lenkräder wechselt, sollte die Kabelführung und die Position eines möglichen USB-Hubs von Anfang an mitdenken.
Voraussetzung: Ein Rig, das 20 Nm standhält
Eine Wheelbase dieser Leistungsklasse gehört an ein stabiles Cockpit. Ein solides Aluminiumprofil-Rig ist die sichere Wahl, weil es hohe Lenkmomente ohne spürbares Verwinden aufnimmt. Auch sehr stabile Stahlracks können funktionieren. Ein einfacher Wheelstand oder ein leichter Schreibtisch sind dagegen selten eine überzeugende Dauerlösung.
Das ist keine Nebensache. Flex im Wheeldeck verschluckt Rückmeldung und kann dazu führen, dass das Lenkrad unter Last arbeitet, obwohl die Base längst präzise reagiert. Gleichzeitig steigen Geräusche und Belastung für Befestigungspunkte. Wer von einer Einsteigerbase kommt, sollte das Rig-Budget daher nicht komplett in die Wheelbase verschieben.
Auch die Sitzposition spielt eine Rolle. Bei stärkeren Bases neigen manche Fahrer dazu, das Force Feedback zu hoch einzustellen, weil es zunächst spektakulär wirkt. Wenn du nach 30 Minuten verkrampfst oder Schultern und Unterarme dichtmachen, ist das kein Zeichen für Realismus. Stelle die Grundkraft so ein, dass du lange Stints konzentriert fahren kannst. Spitzenkräfte dürfen deutlich sein, die Dauerlast sollte aber zu deiner Ergonomie passen.
Software und Setup: Weniger Zufall, mehr Kontrolle
Die Konfigurationssoftware von VRS bietet die wichtigen Stellschrauben für Kraft, Dämpfung und das Verhalten des Motors. Das ist für Einsteiger zunächst technischer als ein Preset mit drei Reglern. Dafür lässt sich das Force Feedback gezielt an Spiel, Fahrzeugklasse und persönliche Vorliebe anpassen.
Als Ausgangspunkt empfiehlt sich ein konservatives Profil. Stelle die Base nicht sofort auf maximale Leistung, kalibriere das Lenkrad sauber und beginne im Spiel mit einem Gain, der harte Spitzen nicht dauerhaft abschneidet. Fahre anschließend dieselbe Strecke mit einem vertrauten Auto und verändere nur einen Parameter nach dem anderen. So merkst du tatsächlich, ob eine Anpassung mehr Gefühl für Grip bringt oder nur die Kraft erhöht.
Dämpfung kann zum Beispiel helfen, ein nervöses Lenkrad auf Geraden zu beruhigen. Zu viel davon nimmt aber Lebendigkeit und feine Informationen. Ähnlich verhält es sich mit Filtern: Sie können störende Schärfe reduzieren, dürfen aber nicht das Signal zudecken. Das passende Profil hängt stark vom Simulator ab. Ein Formula-Auto mit hohem Aero-Anteil verlangt nach einer anderen Abstimmung als ein GT3 auf welliger Strecke oder ein historischer Tourenwagen.
Sicherheit gehört zum Setup
20 Nm sind kein Spielzeug. Vor der ersten Fahrt sollten alle Schrauben, der Quick Release und die Lenkradbefestigung geprüft werden. Ein gut erreichbarer Not-Aus oder eine sichere Möglichkeit, die Base sofort stromlos zu schalten, gehört bei dieser Leistungsklasse zur sinnvollen Planung. Halte Hände, Kleidung und Kabel aus dem Bereich beweglicher Teile, besonders während Kalibrierung und Einschalten.
Auch bei Online-Rennen lohnt eine vernünftige Kraftbegrenzung. Ein heftiger Einschlag kann das Lenkrad unerwartet ausschlagen lassen. Realistisches Feedback entsteht nicht dadurch, dass jede Kollision möglichst schmerzhaft wird, sondern durch klare Informationen vor dem Verlust der Kontrolle.
Für wen lohnt sich die VRS DirectForce Pro?
Die Base richtet sich vor allem an ambitionierte PC-SimRacer, die ein dauerhaftes High-End-Setup aufbauen möchten. Sie passt hervorragend zu Fahrern, die ein stabiles Rig besitzen, hochwertige Pedale nutzen und ihr Force Feedback bewusst konfigurieren wollen. Auch als Upgrade von einer Mittelklasse-Direct-Drive-Base ist sie interessant, wenn mehr Reserven und ein präziserer, erwachsenerer Fahrcharakter gefragt sind.
Weniger passend ist sie für alle, die ausschließlich auf Konsole fahren oder möglichst ohne Planung ein vollständiges System aus einer Hand suchen. Auch wer aktuell noch an einem flexiblen Wheelstand fährt, sollte zuerst die Basis des Cockpits lösen. Die DirectForce Pro kann ihre Stärke nur zeigen, wenn Mechanik, Lenkrad und Sitzposition mithalten.
Preislich sollte sie nicht isoliert betrachtet werden. Zur Wheelbase kommen je nach Ausgangslage Lenkrad, Quick Release, passende Halterung, gegebenenfalls Button Plate und ein rigides Rig. Das ist eine Investition. Im Gegenzug entsteht ein System, das nicht nach kurzer Zeit wegen fehlender Leistung oder ungenauer Rückmeldung ersetzt werden muss.
Die richtige Entscheidung beginnt vor dem Kauf
Die VRS DirectForce Pro ist keine Base für den schnellen Impulskauf, sondern für SimRacer mit einem klaren Plan. Wenn du dein Setup langfristig auf PC nutzt, ein stabiles Rig hast und ein ehrliches, detailreiches Force Feedback suchst, gehört sie klar auf die engere Auswahl. Falls du unsicher bist, ob Lenkrad, Quick Release und Rig wirklich zusammenpassen, hilft eine persönliche Kaufberatung bei GermanSimRacing dabei, aus vielen Einzelteilen ein Setup zu machen, das auf der Strecke überzeugt.
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